Über 100 Euro

Der europäische Gaspreis zieht weiter an: Erstmals seit 2022 kostete am Mittwoch Erdgas kurzzeitig wieder über 100 Euro pro Megawattstunde. Anfang September lag der Preis noch bei 70 Euro. Vor allem die ungewisse Situation im Iran-Krieg trieb den Preis an. Doch auch weniger gefüllte Gasspeicher spielen eine Rolle.

Online seit heute, 17.53 Uhr

Auf dem für den europäischen Markt besonders wichtigen niederländischen Handelsplatz TTF stieg der Preis im Laufe des Tages kurzzeitig über die 100-Euro-Marke. Die Preise, für die Gas dort gehandelt wird, sind maßgeblich für große Teile des Kontinents.

Grund für den Anstieg sind insbesondere die Verwerfungen auf den Energiemärkten infolge des Iran-Krieges. Vor dem Krieg lagen die Preise noch bei um die 30 Euro, so das „Handelsblatt“. Doch mit der Blockade der Straße von Hormus gelangt nur noch wenig Gas aus dem Nahen Osten auf den weltweiten Markt – mit enormen Auswirkungen auch für Europa.

Tankerschiffe in der Straße von Hormus
Die Situation in der Straße von Hormus trieb die Preise an

Neuer Militäreinsatz könnte Situation verschärfen

Die Situation könnte sich weiter verschärfen, wenn es zu neuen Gefechten am Persischen Golf kommt. Die USA forderten einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge mehrere Staaten dort auf, sich auf einen Militäreinsatz gegen den Iran nach den US-Zwischenwahlen vorzubereiten. Die Zeitung berief sich auf nicht namentlich genannte Personen, die über die Gespräche informiert worden seien.

Dem Bericht zufolge gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass die USA und Israel eine neue Phase intensiver Kampfhandlungen vorbereiten. US-Präsident Donald Trump habe noch keine endgültige Entscheidung getroffen, neige aber zu einem umfangreichen Angriff nach den Wahlen am 3. November.

Gasspeicher in Europa weniger gefüllt

Zudem sind die Gasspeicher in Europa derzeit weniger gefüllt als zum Vorjahreszeitpunkt: Nach Angaben der europäischen Plattform zur Gasspeicherung (AGSI) liegt der Wert bei knapp 75 Prozent. Vor einem Jahr waren es knapp 83 Prozent. Für Österreich meldet AGSI einen Füllstand von 67,8 Prozent – im Vergleich zu 84,1 Prozent im Vorjahr.

Die vergleichsweise leeren Gasspeicher könnten mit besonders hoher Nachfrage kollidieren: Laut „Handelsblatt“ liegen nämlich auch die Temperaturprognosen für Anfang November unter dem Durchschnitt, möglicherweise könnte auch ein Kälteeinbruch in der zweiten Monatshälfte für mehr Bedarf im November sorgen, so die Zeitung.

Auswirkungen in Haushalten möglich

Der Anstieg des Gaspreises kann sich auch in Haushalten auswirken, je nach Anbieter und Tarif: Während Fixpreisangebote oft nur jährlich angepasst werden und damit von den aktuellen Spitzenwerten nicht betroffen sind, orientieren sich Floater-Tarife am aktuellen Marktpreis. Hier werden die hohen Preise eher schlagend.

Nahaufnahme von Gastherme
Je nach Vertrag könnten die höheren Preise bald auch in Haushalten schlagend werden

Gegenüber dem „Handelsblatt“ sprach ein Analyst vom Preisinformationsdienst Argus Media auch über mögliche staatliche Eingriffe. „Oberhalb von 100 Euro pro Megawattstunde stellt sich zunehmend die Frage, welches Preisniveau ausreichen würde, um staatliche Eingriffe zur Eindämmung der Nachfrage auszulösen.“

2022, im Zuge des Ukraine-Krieges, war die Situation in Europa noch deutlich angespannter. Damals stieg der Preis deutlich über 100 Euro, kurzzeitig lag er aber sogar bei fast 340 Euro. Seit 2023 lagen die Preise aber praktisch durchgehend unter der 50-Euro-Marke.

Source: ORF · ORF.at

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