1969–2026

Der stellvertretende Klubobmann und langjährige Klubdirektor des freiheitlichen Parlamentsklubs Norbert Nemeth ist gestorben. Man habe mit großer Bestürzung von dessen völlig überraschendem und unerwartetem Ableben erfahren, teilte der FPÖ-Klub am Mittwoch in einer Aussendung mit. Der Nationalratsabgeordnete wurde 57 Jahre alt.

Online seit heute, 17.23 Uhr

Nemeth habe „jahrzehntelang maßgeblichen Anteil an der programmatischen und inhaltlichen Entwicklung unserer Gesinnungsgemeinschaft gehabt“, hieß es in der Aussendung. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei allen Hinterbliebenen.“

Nemeths frühe Karriere lag in Niederösterreich, wo er eng mit dem damaligen Landesrat Ewald Stadler zusammenarbeitete. Mit diesem wechselte er später auch in die Volksanwaltschaft. Im Nationalrat wurde der Jurist 2006 unter Heinz-Christian Strache Klubdirektor und war ab da einer der wichtigsten Architekten des freiheitlichen Parlamentsklubs.

Kickl: Nemeth hinterlässt große Lücke

FPÖ-Chef Herbert Kickl schrieb in einer Aussendung, der Verlust sei für ihn kaum in Worte zu fassen und mache ihn unendlich traurig. Nemeth habe sich über die vergangenen Jahrzehnte zu einer der tragenden Persönlichkeiten der freiheitlichen Bewegung entwickelt und hinterlasse schon deshalb eine große Lücke. Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) fehlten „als langjährigem Freund und Weggefährten“ die Worte.

Anteilsnahme aus allen Fraktionen

Gerade in seiner Funktion als Klubdirektor der FPÖ habe Nemeth über viele Jahre konstruktive Beiträge für einen gelungenen österreichischen Parlamentarismus geleistet, erklärten der Zweite Nationalratspräsident Peter Haubner (ÖVP) und ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl in einer gemeinsamen Aussendung, mit der sie auch der Familie des Verstorbenen kondolierten.

Von einem traurigen Tag für das Parlament sprach SPÖ-Klubchef Philip Kucher. Über die Parteigrenzen hinweg habe man Nemeth als Parlamentarier mit guter Gesprächsebene zu allen Parteien sowie mit Handschlagqualität und großer juristischer Expertise gekannt.

NEOS-Klubobmann Yannick Shetty meinte, Nemeth habe die Arbeit des Parlaments über viele Jahre mitgeprägt und sich mit großer Leidenschaft eingebracht. Trotz unbestreitbar großer politischer Differenzen sei die Zusammenarbeit auf der operativen Ebene im Parlament von großer juristischer Kenntnis und im persönlichen Umgang von Fairness geprägt gewesen, schrieb die stellvertretende Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer in einer Aussendung.

Zentrale Rolle bei Koalitionsverhandlungen mit ÖVP

Bei der vergangenen Wahl zog Nemeth als Abgeordneter in den Nationalrat ein und war einer der Stellvertreter von Kickl, den er des Öfteren auch in der Präsidialkonferenz vertrat. Eine zentrale Rolle seitens der FPÖ hatte er auch bei den letztlich gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP.

Der gebürtige Wiener gehörte zum nationalen Flügel der Freiheitlichen und war schlagender Burschenschafter. Unter einem Pseudonym veröffentlichte er mehrere historische Romane.

Source: ORF · ORF.at

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