Frontstadt Oleschky

Am Freitag ist in der von Russland besetzten Frontstadt Oleschky die erhoffte Evakuierung durchgeführt worden. Die seit drei Tagen haltende lokale Feuerpause ermöglichte den Einsatz in der Stadt, die zuvor de facto ausgehungert worden war. Es habe keine „Zwischenfälle oder Störungen“ gegeben, hieß es.

Online seit heute, 18.59 Uhr

Die Feuerpause war durch Papst Leo XIV. und die First Lady der USA, Melania Trump, vermittelt worden und bezog Russland und die Ukraine ein. Am Freitag waren die russische Menschenrechtsbeauftragte Jana Lantratowa und ihr ukrainischer Amtskollege Dmytro Lubinez in Oleschky, um die Evakuierung zu koordinieren. Bis zum Abend war sie weitgehend abgeschlossen.

„Auch denjenigen, die sich nicht angemeldet und sich kurzfristig entschieden haben, wurde die Möglichkeit zur Abreise gewährt“, sagte Lantratowa in einer Videobotschaft auf Telegram. Zuvor waren 25 Busse mit mehr als 750 Plätzen bereitgestellt worden. Begleitet wurde die Kolonne von neun Krankenwagen für den Transport von Bettlägrigen.

„Gerade befinden wir uns in Armjansk und teilen die Fahrzeugkolonne auf“, so Lantratowa weiter. Ein Teil werde von der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim weiter in nicht besetzte Gebiete der Ukraine reisen. Die übrigen fahren nach Russland.

Desaströse Zustände

Oleschky liegt am Dnipro-Ufer gegenüber der Großstadt Cherson und wurde kurz nach Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 von russischen Truppen eingenommen. Russland nutzt die Stadt als Ausgangspunkt für Angriffe Richtung Cherson, die Ukraine wiederum beschießt die Stellungen der Russen in und um die Stadt. Durch die Zerstörung des Kachowka-Staudamms wurde die Stadt 2023 überflutet.

Karte zeigt die russisch kontrollierten Gebiete um der Stadt Oleschky, in der seit Kurzem eine Waffenruhe in Kraft getreten ist.

Die Einwohner litten zuletzt unter katastrophalen Lebensbedingungen. Bis zu 2.000 Menschen verbleiben in der Stadt, die vor dem Krieg rund 24.000 Einwohner und Einwohnerinnen zählte. Die humanitäre Lage ist prekär, es fehlt an Essen und medizinischer Versorgung, an Strom, Gas und fließendem Wasser.

Einige Bewohner mussten nach eigenen Angaben an manchen Tagen mit einer Tasse Reis oder Buchweizen auskommen. Zur Beschaffung von Wasser und Lebensmitteln riskierten sie ihr Leben auf verminten Wegen. Vor dem Start der Hilfsaktion wurde das Gebiet nun von Minen geräumt, wobei laut Lantratowa zwei Personen ums Leben kamen.

der ukrainische Human-Rights-Botschafter Dmytro Lubinets und die russische Human-Rights-Botschafterin Yana Lantratova im Gespräch mit Journalisten
Lantratowa und Lubinez am Freitag in Oleschky

Lantratowa und Lubinez appellierten am Freitag an Melania Trump, sich weiter für notleidende Menschen in Kriegszeiten einzusetzen. Es sei möglich, dass Aktionen wie die Rettung der Menschen aus der Frontstadt Oleschky und die Übergabe von Hilfsgütern wiederholt würden, sagten sie Journalisten. Russlands Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow hatte zuvor jedoch betont, bei der Feuerpause in Oleschky handle es sich um einen Einzelfall, der nicht auf den allgemeinen Friedensprozess in der Ukraine übertragen werden dürfe.

Angriffe setzen sich fort

Andernorts gingen die Kämpfe mit unverminderter Härte weiter. Am Freitag nahm Russland nach eigenen Angaben Energieinfrastruktur in und um Kiew sowie Hafenanlagen in der Region Odessa ins Visier. Mehr als 1.000 ukrainische Drohnen über russischen Regionen seien abgeschossen worden, teilte Russland mit.

Angriffe auf russische Ölraffinerien hatte die Ukraine einem Zeitungsbericht zufolge auf Druck von US-Präsident Donald Trump aber ausgesetzt. Die inoffizielle Unterbrechung der Angriffe habe Anfang vergangener Woche begonnen und werde voraussichtlich bis nach den US-Zwischenwahlen am 3. November und möglicherweise noch bis später im November andauern, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Insider.

Am Freitag aber meldete Moskau erneut ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien. „Wir hatten eine Zeit lang eine Pause. Doch heute wurden die Angriffe … wiederaufgenommen, und unsere Betriebe arbeiten unter Schutzmaßnahmen“, zitierte die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti Vizeministerpräsidenten Alexander Nowak. Insgesamt seien drei Raffinerien und ein Gas-Chemie-Komplex angegriffen worden.

Source: ORF · ORF.at

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