Hohe Rohölpreise

Europäische Ölkonzerne profitieren von den hohen Preise für Rohöl aufgrund des Iran-Krieges und den historisch hohen Margen im Raffineriegeschäft. Die Unternehmen Shell in Großbritannien, TotalEnergies in Frankreich und Repsol in Spanien meldeten am Donnerstag Milliardengewinne im dritten Quartal. Auch die heimische OMV steigerte ihren Gewinn stark. Der Ruf nach Übergewinnsteuern wird wieder laut.

Online seit heute, 21.00 Uhr

Die OMV profitierte im dritten Quartal von den hohen Preisen und Margen. Das um Lagereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Sondereffekten (CCS) stieg um 68 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, gab der teilstaatliche Konzern am Donnerstag bekannt. Der Anstieg im Energiebereich sei hauptsächlich auf positive Markteffekte in Höhe von 515 Mio. Euro zurückzuführen, „in denen sich deutlich höhere realisierte Gas- und Ölpreise widerspiegelten“ – mehr dazu in wien.ORF.at.

Geringere Verkaufsmengen aufgrund verzögerter Öl- und Gasförderungen im Nahen Osten seien mehr als ausgeglichen worden. Im Fuel-Bereich war der kräftige Gewinnzuwachs auf „deutlich höhere Raffinerie-Referenzmargen in Europa und im Nahen Osten sowie auf hohe Raffinerie-Auslastungsgrade in Verbindung mit einem verbesserten Produktmix zurückzuführen“.

Kontaktlos Bezahlen an Tankstelle
Das Tanken an der Tankstelle kann teuer werden

Die neue OMV-Chefin Emma Delaney strich im Gespräch die baldige Erschließung neuer Öl- und Gasquellen hervor. Das Gasförderprojekt „Neptun Deep“ im Schwarzen Meer, an dem die OMV-Tochter OMV Petrom beteiligt ist, sei zu „89 Prozent“ fertig, und man rechne mit ersten Gasförderungen im ersten Halbjahr 2027.

TotalEnergies mehr als verdoppelte Gewinn

Der spanische Konzern Repsol steigerte seinen Gewinn in dem Dreimonatszeitraum von 574 Millionen auf 2,8 Milliarden Euro. Auch der französische Konkurrent TotalEnergies konnte seinen Gewinn im dritten Quartal mehr als verdoppeln. Der bereinigte Nettogewinn sprang um 127 Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar (rund 8,2 Mrd. Euro), wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Experten hatten im Schnitt lediglich mit 8,3 Milliarden Dollar (7,5 Mrd. Euro) gerechnet. TotalEnergies bestätigte Pläne für Aktienrückkäufe im Volumen von 2,5 Milliarden Dollar (2,2 Mrd. Euro) im vierten Quartal und kündigte ein weiteres Programm in gleicher Höhe für das erste Quartal 2027 an.

Historisch hohe Margen in Raffineriegeschäft

Vor allem das Raffineriegeschäft profitierte von der derzeitigen Lage, so TotelEnergies-Konzernchef Patrick Pouyanne. Der Gewinn der Sparte habe sich auf 3,6 Milliarden Dollar (3,2 Mrd. Euro) verfünffacht. Der um fast zehn Prozent gestiegene Raffineriedurchsatz habe es dem Unternehmen ermöglicht, die historisch hohen Raffineriemargen in Europa und weltweit voll auszuschöpfen, so Pouyanne weiter.

Das Geschäft mit Flüssigerdgas (LNG) sei ebenfalls gut gelaufen und habe 1,9 Milliarden Dollar (1,7 Mrd. Euro) zum Ergebnis beigesteuert. Der Konzern profitiere „in vollem Umfang von seinem integrierten Geschäftsmodell und seiner geografischen Diversifizierung“, so Pouyanne.

Shell-Logo auf Tankstelle
Shell erzielte im dritten Quartel üppige Gewinne

Shell: Zweihöchster Quartalsgewinn seit Bestehen

Auch Shell verdiente kräftig. Im abgelaufenen dritten Quartal verdoppelte sich der bereinigte Gewinn auf 10,8 Milliarden Dollar (rund 9,7 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag bekanntgab. Das war der zweithöchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte. Höher war der Gewinn nur 2022, als die Energiepreise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine äußerst stark gestiegen waren.

Die Aktionärinnen und Aktionäre sollen davon ebenfalls profitieren. Der britische Konzern kündigte für die nächsten Monate Aktienrückkäufe im Volumen von fünf Mrd. Dollar an, um zwei Mrd. mehr als im abgelaufenen Quartal.

Der seit neun Monaten andauernde Krieg im Nahen Osten verhalf auch Shell zu Rekordmargen im Raffineriegeschäft. Die Raffineriemargen lagen bei 42 Dollar (37,8 Euro) pro Barrel (159 Liter) verglichen mit 11,6 Dollar (10,4 Euro) im Vorjahr und 24 Dollar (21,6 Euro) im Vorquartal. Auch die einzelnen Geschäftsbereiche übertrafen die Erwartungen. Die Sparte für integriertes Gas erzielte einen Gewinn von 3,04 Milliarden Dollar (2,7 Mrd. Euro), während die Sparte für die Förderung (Upstream) 3,19 Milliarden Dollar (2,9 Mrd. Euro) zum Ergebnis beitrug.

Übergewinnsteuer gefordert

Wegen der aktuell hohen Gewinne von Energiekonzernen forderte am Donnerstag die Umweltorganisation Greenpeace eine Erhöhung von Übergewinnsteuer und eine Ausweitung auf das Tankstellengeschäft.

Mehrere EU-Finanzminister fordern bereits seit Monaten eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne auf EU-Ebene. Die EU-Kommission hält sich jedoch bedeckt. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis hatte erst im September gesagt, dass die Mitgliedsstaaten auf nationaler Ebene „bereits eine Steuer auf außerordentliche Gewinne einführen können, wenn sie dies wünschen“.

„Befristete Solidaritätsabgabe“

Eine Übergewinnsteuer auf nationaler Ebene würde Unternehmen dort benachteiligen. In den Jahren 2022 und 2023 hatte die EU eine Übergewinnsteuer erhoben, als die Energiepreise nach dem Beginn des Ukraine-Krieges stark gestiegen waren. Eingeführt wurde eine Verordnung zur Einführung eines befristeten Solidaritätsbeitrags. Erdöl-, Gas-, Kohle- und Raffineriekonzerne mussten für außergewöhnliche Gewinne eine „befristete Solidaritätsabgabe“ zahlen.

Unternehmen klagten in einigen Ländern

Gewinne, die mehr als 20 Prozent über dem Durchschnittswert der Jahre 2019 bis 2021 lagen, wurden mit 33 Prozent Abgaben belegt. Die Mitgliedsstaaten setzten das in nationales Recht um. In Belgien, Irland und Italien klagten Unternehmen gegen die jeweiligen nationalen Maßnahmen. Gerichte aus diesen Ländern fragten den Europäischen Gerichtshof (EuGH), ob die EU-Verordnung und die jeweiligen nationalen Regeln mit europäischem Recht vereinbar sind. Nach Einschätzung des Generalanwalts am EuGH sind sie das – endgültig entscheiden müssen darüber aber die EuGH-Richterinnen und -Richter.

Source: ORF · ORF.at

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