Mehr Rechte, bessere Verbindungen

Reisen innerhalb Europas könnten einfacher, schneller und reibungsloser funktionieren: Mit der Stärkung von Fahr- und Fluggastrechten einerseits und mit dem Ausbau der Hochgeschwindigkeitsbahnstrecken andererseits sind in der EU diesbezüglich mehrere Projekte in Arbeit bzw. Planung. Im EU-Parlament wurden am Dienstag für die Umsetzung notwendige Vorschläge der EU-Kommission angenommen.

Online seit gestern, 22.26 Uhr

Noch immer ist es in sehr vielen Fällen einfacher, sich bei Reisen zwischen EU-Ländern für einen Kurzstreckenflug zu entscheiden, auch wenn die Distanz mit modernden Hochgeschwindigkeitszügen leicht und schnell zu überbrücken wäre. Doch direkte Bahnverbindungen fehlen auf vielen Strecken, genauso wie ein einheitliches Ticketsystem und passende Anschlüsse.

Schon im Vorjahr hatte die EU-Kommission einen Aktionsplan für den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsverbindungen vorgelegt. Die Abgeordneten im EU-Parlament sprachen sich nun mit großer Mehrheit von 558 Stimmen (bei 23 Gegenstimmen und 73 Enthaltungen) ebenfalls dafür aus und verabschiedeten gleichzeitig eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung des Plans.

Eine Grafik zeigt bestehende und zukünftige Bahnstrecken durch Europa mit den aktuellen und den zukünftigen Reisezeiten

Nicht nur Hauptstadtverbindungen verbesserungswürdig

So sollen künftig nicht nur Hauptstädte besser miteinander verbunden sein. Auch größere Städte und Orte, an denen man in den Regionen umsteigt, sollen häufiger an schnelle Zugsverbindungen angeschlossen werden. Das Parlament will dadurch auch erreichen, dass grenzüberschreitendes Reisen unkomplizierter wird. Außerdem soll die Reise mit Hochgeschwindigkeitszügen günstiger werden, etwa mit Ermäßigungen, Tarifen und Abonnements.

Der für den Antrag des Verkehrsausschusses zuständige Berichterstatter, Vicent Marza Ibanez (Europäische Grüne Partei) erklärte, dass die geplanten Schnellverbindungen zwischen den wichtigsten Städten Europas eine enorme Verlagerung des Reiseverkehrs von Flugzeugen auf Züge ermöglichen könnten.

„Das ist ein zentrales Element zur Verringerung unserer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, zur Schaffung guter Arbeitsplätze und zur deutlichen Stärkung unserer strategischen Autonomie,“ so Marza Ibanez. Erforderlich dafür seien angemessene Investitionen. Die Finanzierung für den Ausbau dürfe aber nicht zulasten der Pendler- und Regionalbahnverbindungen gehen.

Viereinhalb Stunden von Wien nach Berlin

In der finalen Ausbaustufe könnten Reisende aus Wien künftig beispielsweise in viereinhalb statt über acht Stunden über Prag nach Berlin fahren und in etwas über vier Stunden nach Warschau. Von Athen nach Sofia könnte es in sechs statt fast 14 Stunden gehen. Gänzlich neu geplant sind Direktverbindungen von Lissabon nach Madrid (in drei Stunden) und weiter nach Paris (sechs Stunden). Von Warschau aus soll Vilnius (vier Stunden) angebunden werden, von dort aus könnte es ein Katzensprung nach Riga (zwei Stunden) und weiter nach Tallinn (eindreiviertel Stunden) sein.

Verbesserungen bei Fluggastrechten geplant

Abgesehen vom Antrag zum Ausbau der Hochgeschwindigkeitszüge stand am Dienstag noch ein weiteres Reisethema auf dem Programm der EU-Parlamentarier: Sie gaben grünes Licht für Verbesserungen bei Fluggastrechten. Künftig wird es damit für betroffene Passagiere einfacher, ihre Ansprüche auf Entschädigung, etwa bei Flugverspätungen und Ausfällen, geltend zu machen.

Konkret legen die Regeln fest, wie die Erstattung bei Stornierungen funktioniert, wenn Flüge über Vermittler gebucht wurden und ausfallen. Auch eine bessere Information bei Ausfällen und Zwischenfällen ist Teil des Gesetzes. Demzufolge sollen Reisende den vollen Preis einschließlich etwaiger Vermittlungsgebühren zurückbekommen. Vermittler müssen bereits im Vorfeld darüber informieren, wie Rückerstattungen geregelt sind. Auch soll es künftig einheitliche Formulare in allen EU-Sprachen und für alle Verkehrsmittel Erstattungsanträge geben.

Gestärkt werden auch die Rechte von Menschen mit Behinderungen und eingeschränkter Mobilität sowie Kindern. Begleitpersonen bei Flügen können gegebenenfalls kostenlos mitfliegen. Eine erste Erweiterung der Regeln war bereits Anfang 2026 durch das Parlament beschlossen worden.

Source: ORF · ORF.at

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