Europa
Die Serie an Bombendrohungen gegen Flugverbindungen in Europa reißt nicht ab. Am Freitag kamen auch Drohungen per Mail gegen Medienhäuser in Irland hinzu. Wer dahintersteckt, blieb weiter unklar, auch weil die Behörden Nachahmer befürchten. Einige der bedrohlichen Nachrichten aber waren gezeichnet.
Online seit heute, 13.49 Uhr
Am Freitag kam es bereits zum dritten Mal in dieser Woche zu einer Welle von Bombendrohungen gegen Passagierflüge in ganz Europa. Betroffen waren u. a. Italien, Portugal, Frankreich und Tschechien. So zwang eine Bombendrohung einen Flug der Fluggesellschaft Wizz Air von Prag nach Rom zur Umleitung nach Venedig, nachdem eine telefonische Warnung vor einem Sprengsatz an Bord eingegangen war.
Ein weiterer Sicherheitsalarm betraf einen Flug von Rom nach Lissabon. Wie der portugiesische Nachrichtensender CNN Portugal berichtete, wurde auf dem Flughafen der portugiesischen Hauptstadt nach der Landung einer Ryanair-Maschine eine Sicherheitsoperation eingeleitet. Die portugiesische Polizei für öffentliche Sicherheit (PSP) hatte die Drohung ebenso über einen Telefonanruf erhalten. Der Anrufer gab sich als Angehöriger einer Sicherheitsbehörde aus.
Drohungen in mehreren Wellen
Eine Serie an Drohungen hatte es auch schon am Donnerstag gegeben, sie hatten den Passagierflugverkehr in Europa schwer beeinträchtigt. Rund 20 Flüge waren betroffen, mehrere Maschinen wurden umgeleitet bzw. von Militärflugzeugen eskortiert.
Die Drohungen richteten sich nach Angaben von Behörden und Fluggesellschaften diesmal vor allem gegen Flüge von und nach Italien, Bulgarien und Tschechien, unter anderem von Fluggesellschaften wie Ryanair, Finnair, Wizz Air und Aer Lingus. Alle Flugzeuge konnten sicher landen, Sprengsätze wurden nicht gefunden.
Auch der Flughafen Wien-Schwechat war betroffen. Einige Maschinen mussten ungeplant landen, andere wurden von Kampfflugzeugen eskortiert bzw. abgefangen. Das stellte bereits eine deutliche Eskalation gegenüber einer ersten Drohungswelle am Dienstag dar.
Die Ermittlungen dazu liefen am Freitag weiter. Geführt wurden die Erhebungen vom Landesamt Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) Niederösterreich. Ansonsten hielten sich die Behörden zu der Causa bedeckt, aufgrund der Gefahr möglicher Nachahmungstäter.
Mails von „Männerstaat“
Am Donnerstag hatte bereits die BBC die römische Flughafenbehörde zitiert, bei der eine Drohmail eingegangen sei, und zwar im Namen von „Kämpfern des männlichen Staates“ („Fighters of the Male State"). Man bekämpfe ein „feministisches Regime“ und wolle „sich in der Geschichte verewigen“, habe es in der Nachricht geheißen.
Am Freitag wurde bekannt, dass solche Mails auch der Flughafen von Sofia erhalten hatte. „Wir, die Kämpfer des Männerstaats, werden mit unseren heutigen Taten in die Geschichte eingehen. Euer feministisches Regime wird sich für immer daran erinnern“, hieß es.
In Russland gibt es eine rechtsextreme und antifeministische Gruppierung namens „Männerstaat“. Zunächst ließ sich nicht verifizieren, ob sie hinter der Nachricht steckt. Die Gruppierung hat nach den Worten von Lou Osborn von der NGO Inpact, die sich auf die Überwachung geheimer russischer Aktivitäten spezialisiert hat, Tausende Mitglieder und unterstützt den Krieg gegen die Ukraine.
Evakuierungen von Medienhäusern
Am Freitag kam es in Irland auch zu Bombendrohungen gegen Medienhäuser. Die Beschäftigten des irischen Rundfunksenders RTE, der Zeitung „Irish Independent“, der Radiosender Newstalk und Today FM sowie des TV-Senders Virgin Media wurden vorübergehend in Sicherheit gebracht.
Nach Angaben der Polizei richten sich die Drohungen nicht nur gegen Medien in Irland, sondern auch gegen Medienorganisationen in anderen europäischen Ländern. Wenig später meldete auch der britische Fernsehsender Sky Drohungen.
Irlands Premier: „Koordinierte Bemühungen“
Die per Mail an RTE übermittelte Drohung stammte nach Angaben der Verfasser von derselben Gruppierung, die für die Drohungswelle gegen Passagierflüge verantwortlich war. Das berichtete ein RTE-Reporter auf Sendung, während er Auszüge aus der Mail vorlas. In den auf Sendung verlesenen Auszügen wurde die Gruppierung allerdings nicht namentlich genannt.
„Es ist besorgniserregend, und wir nehmen die Bedrohung ernst“, sagte der irische Regierungschef Micheal Martin. Er sprach bei den Vorfällen im Flugverkehr von anscheinend „koordinierten Bemühungen“, die Flüge zu stören. Man arbeite mit Hochdruck daran herauszufinden, wer dahintersteckt. „Es ist noch nicht geklärt, ob es sich um Einzelpersonen oder einen koordinierten Angriff handelt.“
Source: ORF · ORF.at
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