Ohio
Ein Video des von US-Präsident Donald Trump im US-Bundesstaaat Ohio unterstützten Gouverneurskandidaten Vivek Ramaswamy sorgt in den Reihen der Republikaner für harsche Kritik. Darin wirft die Mutter der demokratischen Kandidatin Amy Acton ihrer Tochter vor, sie sei eine Lügnerin. Acton erzählte im Wahlkampf über Gewalterfahrungen in ihrer Kindheit, darunter die Vergewaltigung durch den Partner ihrer Mutter. Trump stellte sich hinter Ramaswamy.
Online seit heute, 22.17 Uhr
Acton sagte im Wahlkampf, sie sei als Kind vom damaligen Partner ihrer Mutter Donna Arthur vergewaltigt worden. Arthur habe später das Sorgerecht verloren, seither habe es keinen Kontakt mehr zwischen Mutter und Tochter gegeben.
Arthur sagte nun in Ramaswamys einminütigem Wahlkampfvideo, Acton habe ein „ernstes Problem“, sie sei „eine Lügnerin und sie lügt über ihre Vergangenheit“. Acton dürfe deshalb nicht Gouverneurin werden, die Wähler müssten das verhindern. „Sie hat ihr ganzes Leben lang gelogen“, so die Mutter über ihre Tochter.
Gerichtsakten belegen Entzug der Obsorge
Acton nannte den Spot „widerwärtig“. Ihre Mutter habe die Augen vor den sexuellen Übergriffen durch ihren Partner verschlossen. Sie und ihr Bruder hätten als Kinder „in Angst“ vor ihrer „gewalttätigen und unberechenbaren“ Mutter gelebt. Actons Wahlkampfteam veröffentlichte auch eine Erklärung von Actons Bruder Philip Stearns. Er bezeichnete das Video als „verabscheuungswürdig“ und bestätigte den sexuellen Missbrauch.
Gerichtsakten bestätigen laut Berichten von US-Medien Actons Angaben: Sie kam mit zwölf Jahren in die Obhut ihres leiblichen Vaters, nachdem ihr Stiefvater wegen Vergewaltigung angeklagt worden war. Weil ihre Mutter und ihr Stiefvater flohen, wurde Letzterer bis zu seinem Tod nie belangt. Laut Stearns blieb Arthur bis zu seinem Tod mit ihrem Partner verheiratet.
Kritik des republikanischen Gouverneurs
Der Spot sorgte parteiübergreifend für harsche Kritik. Der amtierende Gouverneur Mike DeWine, selbst ein Republikaner, bezeichnete die Kampagne am Donnerstag als „äußerst, äußerst bedenklich“. „Ich möchte das Ramaswamy-Wahlkampfteam dringend bitten, das zu entfernen.“
Trump bezeichnete DeWine in einem langen Posting in seinem sozialen Netzwerk Truth Social als „unfähig“ und „illoyal“. Dieser wolle lieber die oppositionellen Demokraten als die eigene Partei siegen sehen. Ramaswamy solle unbedingt an dem „sehr kraftvollen“ Video festhalten, damit alle wüssten, was Actons Mutter zu sagen habe.
„Ich wünschte nur, die Mütter meiner Gegner wären so mutig, sich zu melden und zu erklären, dass ihr Sohn oder ihre Tochter ein Lügner ist.“ Bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa sagte Trump öffentlich, dass er Ramaswamy geraten habe, das Video nicht zurückzuziehen. Gegenüber Journalisten und Journalistinnen sagte Trump, er wisse nichts über die Hintergründe, man müsse die Mutter aber jedenfalls ernst nehmen.
Vance „angewidert“ über „Jammern“ in Partei
Auch andere Republikaner riefen dazu auf, das Video zurückzuziehen, darunter Ashley Hinson aus Iowa, die sich um einen Senatssitz in Iowa bewirbt: Es sei „fürchterlich“, dass Acton ihr Trauma erneut durchleben müsse.
Unterstützung für Ramaswamy gab es dagegen von Vizepräsident JD Vance, einst selbst Senator für Ohio, der sich „angewidert“ über das „Jammern“ seiner Partei über das Video statt über die politischen Pläne der US-Demokraten zeigte.
Laut US-Medien zeigt die Unterstützung beziehungsweise Abneigung gegenüber dem Video die zunehmende Kluft in der Republikanischen Partei, da es schließlich darum gehe, wie mit anderen Meinungen und damit Gegnern grundsätzlich umgegangen wird. Trump treibe mit seiner Vorgangsweise die eigene Partei vor sich her, auch wenn sich abzeichne, dass die Strategie nicht wirke.
Am 3. November finden in den USA Zwischenwahlen statt; neben rund einem Drittel der Senatssitze und dem gesamten US-Repräsentantenhaus stehen auch viele Gouverneursämter zur Wahl. Die Wahl für das Gouverneursamt in Ohio findet ebenfalls am Midterms-Wahltag statt. DeWine steht nicht erneut zur Wahl.
Ramaswamy auf Trumps Spuren
Der vermögende Unternehmer Ramaswamy hatte sich vor der Wahl 2024 erfolglos um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bemüht. Letztlich unterstützte er Trump – und wirbt heute mit seinem guten Verhältnis zum US-Präsidenten um Stimmen. Acton ist Ärztin und diente zeitweise unter DeWine als Leiterin der Gesundheitsbehörde des Bundesstaats.
Einen Angriff auf Acton Anfang September durch einen Mann bei einem Volksfest in Ohio hatte Ramaswamy noch verurteilt. Der Vorfall sei „komplett inakzeptabel“, es gebe in der Politik keinen Platz für Gewalt. US-Medienberichten zufolge trug der 38-Jährige unter anderem zwei Pistolen bei sich, die er aber nicht zog. Bei dem Vorfall wurden zwei Menschen verletzt.
Source: ORF · ORF.at
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