Südafrika
„Eiserne Lady“ Südafrikas wurde sie einst wegen ihrer Durchsetzungskraft genannt – nun ist der 75-jährigen Helen Zille mit einem teils skurrilem Wahlkampf als „Action-Oma“ ein Comeback gelungen. Wie am Samstag bekanntwurde, holte sie mit ihrer liberalen Demokratischen Allianz (DA) eine deutliche Mehrheit bei den Kommunalwahlen in Johannesburg, einer Stadt, die angesichts riesiger Probleme als unregierbar gilt. Seit 2019 gaben sich hier einander schon zehn Bürgermeister die Klinke in die Hand.
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Mit knapp 35 Prozent der Wählerstimmen kann sich die DA als klare Siegerpartei feiern, der Afrikanische Nationalkongress (ANC) kommt mit rund 20 Prozent auf Platz zwei vor der liberalen ActionSA mit rund 17 Prozent. Im Vorfeld hatte Zille angekündigt, mit einer dieser beiden Parteien eine stabile Koalition bilden zu wollen.
Der Erfolg der DA ist teils einem spektakulären Wahlkampf Zilles zuzuschreiben. Sie schnorchelte in einem riesigen mit Wasser gefüllten Schlagloch, ein anderes durchpaddelte sie mit einem Schlauchboot. Die Videos davon gingen in den sozialen Netzwerken von X bis TikTok durch die Decke. Mit all dem wollte sie die Versäumnisse der bisherigen Stadtregierung aufzeigen.
Meisterin auf Social Media
In einem anderen Video brach sie in ein verlassenes Büro der Stadtverwaltung ein und zeigte Berge an unbearbeiteten Unterlagen von Bürgerinnen und Bürger. Ein weiteres Video zeigte sie am Steuer eines Autos, mit dem sie enge Kreise bei hohem Tempo dreht, bis die Reifen qualmen – ein Herantasten an die jungen Wählerinnen und Wähler. „Andere reden viel, wir bieten echte Action“, sagt sie. Auf X nennt sie sich in Anspielung auf das Monster GodZille oder auch GogoZille, Gogo ist das südafrikanische Wort für Oma.
Erfolge als Bürgermeisterin von Kapstadt
Zille verspricht Lösungen für die marode Infrastruktur, die ständigen Ausfälle in der Strom- und Wasserversorgung. An den Problemen scheiterten in den vergangenen Jahren schon etliche Bürgermeister. Auch Kriminalität und Arbeitslosigkeit will sie bekämpfen. Und in einer anderen Stadt war sie schon erfolgreich. 2006 wurde sie Bürgermeisterin von Kapstadt und schaffte es dort, die Stadt für die 2010 anstehende Fußballweltmeisterschaft auf Vordermann zu bringen.
Dafür wurde sie 2008 zur besten Bürgermeisterin der Welt gekürt. 2009 stieg sie auf und wurde gar Premierministerin der Provinz Westkap. Schon 2007 wurde sie landesweite Chefin ihrer Partei.
Nach einem zumindest missverständlichen Tweet über Kolonialismus fiel sie in der Partei 2017 in Ungnade und wurde aus den Führungsgremien ausgeschlossen. Schon zwei Jahre später kehrte sie allerdings zurück, widmete sich dann aber anderen Projekten.
Großen Apartheid-Skandal aufgedeckt
Einen Namen gemacht hatte sich die Tochter einer vor den Nazis geflohenen deutschen Familie aber schon früher: Als junge Journalistin deckte sie auf, dass der Aktivist und Bürgerrechtler Steven Biko 1977 keineswegs an den Folgen eines Hungerstreiks im Gefängnis gestorben war, wie das Apartheid-Regime es darstellte: Mit Hilfe von Interviews berichtete sie, dass Biko den schweren Verletzungen durch Folter erlegen war.
Über mehrere Anti-Apartheid-Kampagnen landete Zille dann in der Politik. Dass sie jetzt aus der Politpension zurückkehrt, argumentierte sie damit, dass den unbeliebten Job in ihrer Partei sonst niemand machen wollte oder konnte.
Dass sie als weiße Politikerin derart erfolgreich ist und auch schwarze Wählerinnen und Wähler gewinnen kann, liegt daran, dass sie eben eine funktionierende Stadt verspricht – und am Niedergang des ANC, der die politische Landschaft in Südafrika lange dominiert hatte. Die ehemalige Befreiungsbewegung regierte auf nationaler Ebene lange mit absoluter Mehrheit.
ANC verliert
Der Abstieg kam unter Präsident Jacob Zuma mit seinen unzähligen Skandalen, mit denen er ein Vermögen auf seine Seite brachte. 2024 wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Seit 2024 ist der ANC auf Koalitionspartner, die DA und zwei Kleinparteien, angewiesen. Präsident Cyril Ramaphosa gilt zwar als vergleichsweise untadelig, den Abstieg des ANC kann er aber derzeit nicht verhindern. Bei den Kommunalwahlen schreibt man jetzt das schlechteste Ergebnis aller Zeiten, die Demokratische Allianz holte deutlich auf.
Auf Platz drei liegt mit der MKP die neuen Partei Zumas, die auf Populismus und einfache Schuldzuschreibungen für Missstände zurückgreift. Ähnlich agiert Julius Malema, der ehemalige ANC-Jugendführer wurde schon 2012 von der Partei ausgeschlossen. Mit seinen Economic Freedom Fighters setzt er auf extrem linke Positionen und schürt dabei Hass und Antisemitismus. Wegen Schusswaffengebrauchs wurde er heuer zu fünf Jahren Haft verurteilt, trat die Strafe bisher aber nicht an.
Source: ORF · ORF.at
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