Equal Pay Day

Die Lohnschere zwischen den Geschlechtern schließt sich graduell, in manchen ländlichen Gemeinden aber scheint die Entwicklung nicht anzukommen. Landesweit fällt der Equal Pay Day, also jener Tag, an dem Männer im Durchschnitt das Jahresgehalt von Frauen erreicht haben, heuer auf diesen Donnerstag. In Vorarlberg war es bereits am 13. Oktober so weit, Wien folgt erst am 23. November. In ganz Österreich gibt es nur 30 von über 2.900 Gemeinden, in denen Frauen im Durchschnitt mehr als Männer verdienen.

Online seit heute, 10.05 Uhr

Die Spannbreite ist in diesen Gemeinden aber deutlich kleiner: Frauen verdienen dort bis zu 13 Prozent mehr. In den 2.084 (inklusive Wiener Bezirke) Gemeinden – das entspricht 98 Prozent –, wo Männer mehr verdienen, macht die Lohnschere teils weit über das Doppelte aus. Der landesweite Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern beträgt heuer 15,5 Prozent, 2025 waren es noch 16,3, vor zehn Jahren 22,4.

Die aktuellsten Berechnungen basieren auf der Lohnsteuerstatistik der Statistik Austria aus dem Jahr 2024. Herangezogen wurde der Median der Nettojahresbezüge von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen in Vollzeitbeschäftigung.

Oberösterreich Top und Flop

Auf den höchsten Gender-Pay-Gap kommt Pierbach in Oberösterreich mit 37 Prozent, der Equal Pay Day fällt dort auf den 19. August. Dahinter folgen die zwei Kärntner Gemeinden Stall (36 Prozent) und Großkirchheim (35 Prozent). Beim „umgekehrten“ Gender-Pay-Gap liegt Geiersberg in Oberösterreich voran, wo Frauen im Schnitt knapp 13 Prozent mehr verdienen. Ebenso im zweistelligen Bereich sind die Gemeinden Breitenstein, Drosendorf-Zissersdorf (beide Niederösterreich), Kaisers und Gramais (beide Tirol).

Innenstadt trübt Wiener Bilanz

18 Gemeinden sind mit einem Unterschied von unter einem Prozent fast ausgeglichen, darunter sind vier Wiener Gemeindebezirke. Grundsätzlich schneidet die Hauptstadt gut ab: Auch in den anderen Bezirken bleibt der Gender-Pay-Gap teils deutlich unter zehn Prozent. Lediglich die Innere Stadt ist ein klarer Ausreißer mit 15 Prozent: Hier sind gehäuft Branchen mit sehr hohen Gehältern angesiedelt, in denen der Anteil an Männern in Spitzenetagen besonders ausgeprägt ist.

Generell zeigen die Daten sowohl ein Ost-West-Gefälle als auch ein Stadt-Land-Gefälle. Grundsätzlich ist der Gender-Pay-Gap in den Städten und ihrem Umland deutlich niedriger als in ländlichen Gemeinden. Auf Bezirksebene hat der steirische Bezirk Bruck-Mürzzuschlag mit 20 Prozent die höchste Lohnschere, in keinem der 79 Bezirke landesweit aber verdienen Frauen im Schnitt mehr als Männer.

Eine Liniengrafik zeigt den Equal Pay Day in Österreich von 2006 bis 2026

Der Equal Pay Day wird jedes Jahr von mehreren Organisationen unterschiedlich berechnet. Die Arbeiterkammer (AK) rechnet vom Jahresende rückwärts, das Netzwerk Business and Professional Women Austria (BPW) vom Jahresbeginn vorwärts – nach letzterer Berechnung fiel der Equal Pay Day heuer auf den 11. Februar.

Als Gründe für den Gender-Pay-Gap gelten etwa die Berufswahl von Männern und Frauen und die ungleiche Aufteilung von Care-Arbeit. Daraus ergibt sich für Frauen auch eine höhere Teilzeitquote und eine längere und häufigere Inanspruchnahme von Karenzen. Um ungleiche Bezahlung in Betrieben zu vermeiden, wird unterdessen häufig nach Lohntransparenz gerufen.

Lohntransparenz in Verzug

Eine entsprechende Richtlinie der EU hätte Österreich eigentlich schon am 7. Juni umsetzen müssen. Kurz davor hatte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) einen Entwurf vorgelegt, auf den sich die Koalition bisher aber nicht geeinigt hat. Dieser sieht etwa vor, dass Unternehmen ab 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Einkommensberichte erstellen müssen. Bei mehrmaligen Verstößen gegen die neuen Transparenzpflichten drohen Verwaltungsstrafen von bis zu 60.000 Euro.

Schumann appellierte diese Woche erneut an die Koalitionspartner, die Lohntransparenzrichtlinie umzusetzen. Sie sei eine Chance, bestehende Ungleichheiten sichtbar zu machen und faire Kriterien für die Bezahlung zu etablieren. Mit den Sozialpartnern hatte es am Ende keine Einigung gegeben, vor allem die Wirtschaftskammer warnte immer wieder vor einer Belastung für Betriebe.

„Die zeitnahe Umsetzung der Richtlinie steht im Regierungsprogramm, die Richtlinie ist umzusetzen“, sagte Schumann weiters. „Ich habe in meinem Haus das Geld für etwaige Strafzahlungen nicht.“ Setzt die Regierung die Richtlinie nicht um, könnte das zu einem Vertragsverletzungsverfahren der EU führen, wobei in letzter Konsequenz Strafzahlungen drohen.

Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ)
Schumann mahnt die Koalitionspartner zur Eile bei der Umsetzung der Lohntransparenzrichtlinie

ÖVP und NEOS zeigen sich willig

Die ÖVP hatte in der Vergangenheit eine Einigung mit den Sozialpartnern vermisst. Die politische Abstimmung sei in Arbeit, der Ball liege beim Sozialministerium. „Transparenz soll ungerechtfertigte Einkommensunterschiede sichtbar machen und helfen, Benachteiligungen zu beseitigen“, sagte die designierte Bundesleiterin der ÖVP-Frauen, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.

NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter sagte, sie setze sich für den Ausbau der Kinderbetreuung und Finanzbildung ein. „Frauen sollen selbst entscheiden können, ob sie Vollzeit oder Teilzeit arbeiten wollen – und nicht durch fehlende Rahmenbedingungen in eine bestimmte Rolle gedrängt werden“, hielt sie fest. In der Vergangenheit hatte NEOS für eine Überarbeitung der Lohntransparenzrichtlinie plädiert, um ein Mehr an Bürokratie zu vermeiden.

Kritik von Grünen und FPÖ

„Frauen sind keine Arbeitnehmerinnen zweiter Klasse“, sagte Grünen-Frauensprecherin Meri Disoski. „Wer seine Beschäftigten fair bezahlt, hat keinen Grund, sich vor Lohntransparenz zu fürchten“, so Disoski. Das Argument, dass die Richtlinie viel Bürokratie mit sich bringen würde, bezeichnete sie als absurd.

Dass Frauen rund 57 Tage im Jahr unbezahlt arbeiten, sei nicht hinnehmbar, sagte auch FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker. Sie betonte, Frauen dürften weder in Vollzeit gedrängt noch für ihre Entscheidung zugunsten der Familie finanziell bestraft werden. Sie forderte höhere Einkommen in klassischen Frauenberufen sowie eine bessere Anrechnung von Erziehungs- und Pflegezeiten für die Pension.

Source: ORF · ORF.at

At a glance

Topic
World
Country
🇦🇹 AT
Publisher language
DE
Added to Allnira