„Blaue Welle“ in USA
Der deutliche Wahlsieg der Demokraten in beiden Kammern des US-Kongresses und bei zahlreichen Gouverneurswahlen erhöht den Druck auf die KI-Branche. Ein Dämpfer gilt als wahrscheinlich. Galt unter US-Präsident Donald Trump die Devise der Selbstkontrolle für die Branche, könnten die Demokraten auf mehr Regulierung und Kontrolle pochen. Im Visier steht vor allem der Bau von Rechenzentren, die schon im Wahlkampf für Diskussionen und Proteste sorgten.
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Auch Nachwahlbefragungen zeigten, dass viele Wähler und Wählerinnen Sorge wegen des enormen Ausbaus von Rechenzentren hatten. 56 Prozent sahen KI und Rechenzentren als wichtigen oder entscheidenden Faktor für ihre Wahlentscheidung am Dienstag. Dutzende lokale Volksabstimmungen, die sich für eine Einschränkung von Rechenzentren eingesetzt hatten, wurden angenommen.
Analysten und Fachleute erwarten, dass die Demokraten die Kontrolle über Rechenzentren verschärfen und auf Baustopps drängen werden. Immer wieder gab es in den vergangenen Monaten aufgrund der hohen Stromkosten und des großen Wasserverbrauchs Proteste und Widerstand in der Bevölkerung. Einige große Tech-Firmen wie Microsoft und Google verzichteten Berichten zufolge bereits auf Vertragsklauseln, die lokale Behörden verpflichtet hätten, frühe Phasen von Rechenzentrumsprojekten noch nicht öffentlich zu machen.
KI-Boom belebte US-Wirtschaft
Der KI-Boom kurbelte aber auch die US-Wirtschaft an, insbesondere der Bau der Rechenzentren stärkte den Bausektor und brachte vor allem ländlichen Gemeinden Investitionen und Grundsteuereinnahmen. Schätzungen zufolge sind derzeit in den USA 800 bis 1.000 Rechenzentren in Planung. Mehr als 40 Prozent davon sollten in Texas, Georgia und Ohio entstehen, berichtete das „Wall Street Journal“ („WSJ“) unter Berufung auf Berechnungen der Investmentbank Evercore ISI.
Dieser Ausbau könnte sich nun verlangsamen. Der Tech-Analyst Dan Ives rechnete im Interview mit dem deutschen „Handelsblatt“ damit, dass fünf bis zehn Prozent der geplanten Projekte aufgrund des politischen Widerstands scheitern könnten. Schon jetzt war Rechenleistung bei manchen Tech-Firmen, die China einen KI-Wettlauf liefern, knapp.
Spielraum auf Ebene der Bundesstaaten
Manche Branchenvertreter erwarten keine langfristige Delle und stellen sich auf kleine Hindernisse ein, die mit Lobbyarbeit bewältigt werden könnten. Trump kündigte nach der Wahl an, großzügig von seinem Vetorecht Gebrauch machen zu wollen. Für die Demokraten sind die Hürden für die Verabschiedung eigener Gesetze zum Teil weiterhin groß. Im Senat reicht für vieles eine einfache Mehrheit nicht aus.
Die Möglichkeiten der Demokraten liegen aber woanders: neben dem Kongress vor allem auf Ebene der Bundesstaaten, wo die Entscheidungen über Genehmigungen und Netzanschlüsse fallen. Die Demokraten übernahmen in vielen Bundesstaaten, deren Politik sich bisher gegenüber KI und Rechenzentren aufgeschlossen zeigte, Gouverneursposten und Senatssitze.
Das ermöglicht auf dieser Ebene mehr Spielraum, den Bau von Rechenzentren zu erschweren und strengere Vorschriften einzuführen. Rechenzentren und KI könnten politisch so „toxisch“ sein, dass Trump nicht alle Regulierungen blockieren werde, zeigte sich der Politikanalyst Ed Mills von der Investmentfirma Raymond James gegenüber der „Washington Post“ überzeugt.
Wahl in Texas als Niederlage für Musk
Besonders deutlich wird sich der gestiegene demokratische Einfluss in den bisher republikanisch regierten Bundesstaaten wie Texas, Ohio und Georgia bemerkbar machen. Hier sind von den großen Tech- und KI-Firmen wie der Google-Mutter Alphabet, Meta und OpenAI Rechenzentren in Bau bzw. in Planung. Tech-Milliardär Elon Musk verlegte die Hauptsitze seiner Unternehmen Tesla und SpaceX nach Texas. Der bisherige republikanische Gouverneur des Bundesstaats, Greg Abbott, hatte noch 2025 erklärt, Texas zum „Nervenzentrum der KI-Entwicklung“ machen zu wollen.
Dem dürfte nun Einhalt geboten werden. Trotz millionenschwerer Wahlkampfspenden Musks für die Republikaner siegten die Demokraten im traditionell republikanischen Texas. James Talarico holte den Senatssitz, seine Parteikollegin Gina Hinojosa den Gouverneursposten. „Rechenzentren im Weltraum wirken gerade ziemlich attraktiv“, reagierte Musk auf den politischen Wechsel.
KI-Branche verliert Fürsprecher in Politik
Die designierte Gouverneurin von Texas könnte den Genehmigungsprozess der Rechenzentren verlangsamen, deren Bau entscheidend für SpaceX ist, um die vor dem Börsengang genannten Versprechen und Umsatzziele zu erreichen. Hinojosa hatte Abbott im Wahlkampf vorgeworfen, Musk günstige Vereinbarungen angeboten zu haben. Sie will zudem mehr Schutzmaßnahmen für die Umwelt und Stromkunden.
Wie Hinojosa machte sich die nun zur demokratischen Gouverneurin von Georgia gewählte Keisha Lance Bottoms für einen Baustopp für Rechenzentren stark. Auch die Demokratin Amy Acton, neue Gouverneurin von Ohio, will die Regeln verschärfen und sprach sich für ein Moratorium beim Bau von Rechenzentren aus. In South Carolina und Ohio verlor die KI-Industrie durch die Siege der demokratischen Kandidaten und Kandidatinnen auch im US-Senat Verbündete.
Unterschiedliche Entwicklungen auf Finanzmärkten
Die Entwicklungen machten sich auch an den Börsen bemerkbar. Aktien von Unternehmen, die sich auf Bau und Entwicklung von Rechenzentren und Chips fokussieren, verloren stark, während jene von Tech-Unternehmen wie Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta zulegten. Sie verkaufen als Hyperscaler Cloud- und Rechenzentrumsinfrastruktur in großem Stil.
Haben sie davon weniger zur Verfügung, muss auch weniger investiert werden. Aus Sicht der Investoren könnte es positiv gesehen werden, wenn KI-Unternehmen auf der Bremse stehen müssen, erklärte der Analyst Ives die unterschiedlichen Entwicklungen bei den Aktien im KI-Bereich. Schon in den vergangenen Monaten begannen potenzielle Investoren angesichts der steigenden KI-Ausgaben an der Rendite zu zweifeln.
Source: ORF · ORF.at
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