Paraguay
Der Zusammenbruch der Digitalbank ueno hat in Paraguay heftige Proteste ausgelöst. Millionen Bürger und Bürgerinnen haben keinen Zugriff mehr auf ihre Konten und fürchten um ihre Ersparnisse. Wegen dessen einstiger Verbindung zur Bank entlud sich der Unmut über Präsident Santiago Pena, die Opposition forderte seine Absetzung. Dem kam Pena am Donnerstag zuvor: In einer Videoansprache verkündete er seinen Rücktritt.
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„Ich habe die Entscheidung getroffen, meinen Rücktritt als Präsident der Republik einzureichen“, sagte Pena, der bis zum Vorjahr Anteile an der Holdinggesellschaft von ueno hielt. „Ich tue das im Interesse der Stabilität unseres Landes, des sozialen Friedens und der Notwendigkeit, unsere demokratischen Institutionen zu bewahren.“
Pena entschuldigte sich, ging jedoch nicht so weit, die Verantwortung für die Bankenkrise zu übernehmen. „Ich möchte mich bei den Menschen entschuldigen, falls ich sie irgendwann im Stich gelassen habe“, sagte er. „Es war nie meine Absicht, das Vertrauen zu missbrauchen, das sie in mich gesetzt haben.“ Seine Priorität sei nun sicherzustellen, dass die betroffenen Kunden und Kundinnen ihre Ersparnisse zurückerhalten.
Riesige Kundschaft
Auslöser der Krise war die Entscheidung der paraguayischen Zentralbank am Montag, ueno wegen unzureichender Eigenkapitalausstattung unter staatliche Kontrolle zu stellen. Die Bank hat rund drei Millionen Kunden, das sind etwa 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung des Landes.
Die Schließung von ueno hat weitreichende Folgen: Kontoguthaben wurden vorerst eingefroren, Zahlungen unterbrochen und zahlreiche Menschen vom Zugriff auf ihre Ersparnisse abgeschnitten. In der Hauptstadt Asuncion kam es in den vergangenen Tagen zu Straßenprotesten, aufgebrachte Bürgerinnen und Bürger versammelten sich vor den geschlossenen Filialen der Bank.
Öffentliche Einlagen in dreistelliger Millionenhöhe
Besonders brisant ist, dass auch öffentliche Einrichtungen große Summen bei ueno angelegt haben. Allein die staatliche Sozialversicherung hält dort rund 355 Millionen Dollar (rund 316 Mio. Euro). Insgesamt verwaltet die Bank öffentliche Gelder im Umfang von etwa 850 Mio. Dollar.
Zentralbankchef Carlos Carvallo musste auf Druck von Präsident Pena bereits zu Wochenbeginn sein Amt niederlegen. Carvallo hatte die Bank geleitet, bevor er 2023 an die Spitze der Zentralbank wechselte. Pena wiederum war auch nach seinem Antritt als Staatspräsident vor mehr als drei Jahren bis 2025 Geschäftspartner der Unternehmensgruppe, zu der ueno gehört.
Schwere Vorwürfe gegen Pena
Fünfunddreißig Abgeordnete reichten am Mittwoch im 80 Sitze zählenden Unterhaus Anklagepunkte für ein Amtsenthebungsverfahren ein, am Donnerstag hielt der Kongress auf Betreiben der Opposition eine Sondersitzung dazu ab. Dort zeigte sich, dass Pena auch den Rückhalt von Mitgliedern seiner konservativen Colorado-Partei verloren hat.
Abgeordnete hatten Pena Interessenkonflikte, den Missbrauch von Pensionsfonds und institutionelle Vertuschungsversuche vorgeworfen. Vor dem Arbeitsministerium protestierten Hunderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der ueno-Bank und anderer Unternehmen der Grupo Vazquez, des Mutterkonzerns der Bank. Sie forderten Abfindungen sowie ausstehende Löhne, da ihre Arbeitsplätze in der Schwebe sind und ihre Gehälter bei der insolventen Bank feststecken.
Rapides Wachstum
Die ueno-Krise sei kein Zufall, warf Mauricio Espinola, ein abtrünniger Abgeordneter der Konservativen, am Mittwoch der Regierung vor. „Es ist ein Versagen von Präsident Santiago Pena und der Leitung der Zentralbank. Die Anzeichen waren bereits seit 2024 erkennbar." Eine Bank, die mit so einer Geschwindigkeit wächst, könne nicht gesund sein, sagte er.
Kurz nach dem Erhalt ihrer Banklizenz im Jahr 2023 schien ueno in Paraguay allgegenwärtig zu sein. Der digitale Kreditgeber lockte Kundinnen und Kunden mit großzügigen Cashbackangeboten für Lebensmittel an, vergrößerte sich auf über 70 Standorte und sponserte die paraguayische Fußballnationalmannschaft.
Unter Pena flossen auch staatliche Gelder in die Kassen von ueno. Doch während sich die Gelder bei ueno anhäuften, wuchsen die Bedenken innerhalb der Zentralbank. Im Juni stellten die Prüfer ein Muster riskanter Kreditvergabe an Insider fest, wie die führende paraguayische Zeitung „ABC Color“ berichtete.
Kreditvergabe ohne Sicherheiten
Ueno hatte Unternehmen mit Verbindungen zu ihren Eigentümern große Kreditsummen gewährt – über das gesetzlich zulässige Maß hinaus und ohne ausreichende Sicherheiten, um die Schulden im Falle eines Ausfalls zu decken. An einem einzigen Tag im September 2025 flossen fast 39 Millionen Dollar an drei solcher Unternehmen.
Pena wischte die Warnungen wiederholt beiseite, am Montag brach jedoch alles zusammen. Die Zentralbank stellte den Zwangsverwalter für das Kreditinstitut ein und kündigte an, die Kundenkonten sowie alle noch wertvollen Vermögenswerte auf andere Banken zu übertragen, bevor die verbleibenden Bestände liquidiert werden.
Führungskräfte festgenommen
Viele sehen den Zusammenbruch der ueno nicht nur als Folge risikoreicher Bankgeschäfte, sondern als Paradebeispiel für Korruption bei den Behörden. Nur Venezuela schneidet in Südamerika auf dem aktuellen Index der wahrgenommenen Korruption von Transparency International, einer globalen Überwachungsorganisation, noch schlechter ab.
Inzwischen nahmen die Behörden acht hochrangige Führungskräfte der ueno-Bank fest, darunter den Gründer Miguel Vazquez und den Bankpräsidenten Juan Manuel Gustale. Die Staatsanwaltschaft erhob zudem Anklage gegen 27 Bankmitarbeiter und Geschäftspartner wegen Straftaten wie Untreue und versuchten Betrugs.
Source: ORF · ORF.at
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