Frankreich

Nach den gewaltsamen Protesten der Vorwoche sind in Frankreich am Samstag erneut Hunderttausende auf die Straße gegangenen. Der Großteil der Proteste verlief friedlich, dennoch kam es in mehreren Städten zu Zusammenstößen, die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Nach Angaben des französischen Innenministers Laurent Nunez wurden fast 1.000 Menschen festgenommen.

Online seit heute, 9.49 Uhr

Die Zahl werde noch steigen, weil noch Bilanz gezogen werden müsse. „Zahlreiche Plünderungen sind verhindert worden“, sagte Nunez am Abend. Es habe zwar auch wieder Sachbeschädigungen und Plünderungen gegeben, diese seien aber nicht vergleichbar mit denen der vergangenen Woche. Die Sicherheitskräfte waren in Alarmbereitschaft, nachdem es am 17. Oktober zu schweren Ausschreitungen am Rande von Demonstrationen gekommen war.

70.000 Polizeikräfte und Gendarmen sollten nun über das Wochenende im Einsatz sein, Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit. Geschäftsbesitzer hatten etwa in Paris Spanplatten vor die Schaufenster montiert, um sie vor Beschädigungen zu schützen. In mehreren Städten gab es Versammlungsverbote für bestimmte Zonen sowie Ausgangssperren.

Erneute Krawalle in Frankreich

In Frankreich führten die Proteste gegen Teuerung, Missstände an Schulen und Sparpläne der Regierung wieder zu Unruhen und Krawallen – jedoch mit einem geringeren Sachschaden als zuvor. Die Behörden waren dieses Mal besser vorbereitet. Auch in Spanien und Italien kam es zu Unruhen bei Demonstrationen.

Am Samstag nahmen nach Angaben des Innenministeriums rund 410.000 Menschen an den landesweiten Protesten teil, davon rund 110.000 in Paris. Der Gewerkschaftsverband CGT meldete laut Medienberichten dagegen rund 800.000 Teilnehmende. Den seit Wochen für eine bessere Ausstattung von Schulen demonstrierenden jungen Leuten schlossen sich weitere Gruppen an, um etwa gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren.

Wolken von Tränengas in Paris

Innenminister Nunez sagte, die Demonstrationen seien reibungslos verlaufen. Es hätten sich aber bei fast jeder Versammlung „Risikogruppen“ gebildet, die nach einem recht „klassischen Muster“ vorgegangen seien. Sie hätten sich von den Umzügen abgesetzt und versucht, Ausschreitungen zu begehen, vor allem durch Angriffe auf Sicherheitskräfte. Schwarz gekleidete, vermummte Personen seien Teil der Gruppen gewesen. Der Minister machte insbesondere die „radikale extreme Linke, die Ultralinke“ dafür verantwortlich.

Demonstranten in Frankreich
Die Polizei setzte Tränengas gegen Demonstrierende und Randalierer ein

In Paris verlief der Demonstrationszug, der an den Rand der Stadt verlegt wurde, zunächst ruhig. Menschen aller Altersgruppen nahmen daran teil. Am Ende der Demonstration verschärfte sich die Lage: Bilder zeigten Wolken von Tränengas und Feuerwerkskörper sowie den Einsatz von Wasserwerfern. In Fernsehaufnahmen waren Knallgeräusche zu hören, eine Mülltonne brannte. Die Polizeipräfektur von Paris gab auf der Plattform X an, dass Randalierer am Ende des dortigen Demonstrationszuges versucht hätten, in ein Autohaus einzudringen. Das rasche Eingreifen der Ordnungskräfte habe das verhindert.

Verletzte bei heftigen Ausschreitungen

Auch Bilder aus anderen Städten wie Lyon, Bordeaux und Marseille zeigten Tränengaswolken und Feuer. Das Innenministerium berichtete von Störungen der öffentlichen Ordnung in mehreren Städten. In Nantes im Nordwesten Frankreichs seien Beschädigungen und Plünderungen in einem Geschäft gemeldet worden, teilte die zuständige Präfektur mit. Die Sicherheitskräfte hätten sechs Personen festgenommen. Minister Nunez berichtete von zwei Menschen, die bei heftigen Ausschreitungen in Clermont-Ferrand und in Toulouse im Rahmen von Polizeieinsätzen schwer verletzt worden seien.

Proteste gegen Le Pens Wahlkampfauftakt

In Orleans protestierten am Samstag nach Behördenangaben mehr als 10.000 Menschen gegen den Parteitag des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN). Die Organisatoren sprachen von 26.000 Menschen. Rund 50 politische Parteien, Gewerkschaften und Verbände hatten zu der Demonstration „gegen Rassismus, Faschismus und Imperialismus“ aufgerufen.

Marine Le Pen in Orleans
Die rechtspopulistische Oppositionsführerin Le Pen gilt als Favoritin für die Präsidenschaftswahl 2027

Sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl liegt RN-Kandidatin Marine Le Pen in den Umfragen vorn. „Ich werde versuchen, ein wenig Optimismus zu vermitteln“, sagte Le Pen, die sich selbst als Verfechterin von Recht und Ordnung inszeniert, am Samstag. Für Sonntag wird die erste große Wahlkampfrede der Rechtspopulistin erwartet.

Source: ORF · ORF.at

At a glance

Topic
World
Country
🇦🇹 AT
Publisher language
DE
Added to Allnira